Puerto Nariño

Puerto Nariño, 70 Kilometer von Leticia, unser Heim für die nächsten Tage. Der Amazonas trägt Hochwasser. Fussballplatz, Basketballfeld, Park, alles überschwemmt. Keine Mopeds, keine Autos, nicht einmal Fahrräder. Hier lebt man zu Fuß.

Selbst in der Trockenzeit erreicht der Amazonas an seiner breitesten Stelle 20 Kilometer (der Bodensee hat 14 Kilometer an breitester Stelle) 5000 Einwohner zählt das (selbst ernannte und als solches gehypte) Ökodorf. Das hindert keinen, verschwenderisch Styroporverpackungen, Plastiklöffel und Einwegbecher zu nutzen, aber aus Plastikflaschen stellt man Abfalleimer und Blumentöpfe her. Man soll ja auch nicht so pingelig sein… Wir wohnen am Ortsausgang hinter dem Kolleg. Abends nach neun kommt man nicht mehr hin, da wird das Schulgelände von fünf Hunden bewacht, die keinen Spaß verstehen.

Dafür leben mit uns hier: Simón, der Mops, an den ich mein Herz verlor und seine kleine schwangere Freundin. Ein Schäferhund, drei blaue und ein roter Ara, der Apfel mag. Der kleine Affe Avéz und drei Truthähne ohne Namen, denn die sind für Weihnachten. Ein Miniäffchen wird groß gezogen und bekommt jeweils eine kleine halbe Banane. Abends genießt eine Affenfamilie den Schutz der Dächer. Doña Helene führt über alles Regiment. Morgenyoga mit Blick auf den Amazonas ist etwas ganz Feines, da kommt man ja so oft nicht dran als Eingeborene aus dem Pott.

Am Tarapotosee, Altarm des Amazonas, gibt es Delfine. Rosa und Graue. Leider möchten sie nicht fotografiert werden, und so habe ich zig Bildern von Wasser. Ohne Delfin. Dafür gehen wir baden. Im Amazonas, jawoll! Natürlich puller ich mal rein, er ist ja groß genug. Und lese hinterher, soll man nicht. Allerdings gibt es keine ökologischen Bedenken, sondern der kleine Piranha mit 3,5 cm Länge nutzt mit seinen Sägezähnen die Kiemen der größeren Fische als Wassertaxi. Die werden vom Urinstrahl angelockt, der Piranha kriecht in die Harnröhre und kann nur operativ entfernt werden. Ich hoffe, das ist nur Legende….

Am Tarapoto führt uns Feliz im Motorboot durch die Tierwelt. Er ist schon immer in Puerto Nariño, hat zwei Kinder und sagt: Wenn man will, dass die Kinder mit Schuhen aufwachsen, dann sind zwei genug. Es gäbe noch viele, die vier und mehr Kinder haben, aber die haben dann eben keine Schuhe.

https://youtu.be/E06AxCZRz6w

Mit Jonathan besuchen wir den überschwemmten Dschungel. Im Sommer kann man hier wandern, jetzt wird gepaddelt. Jonathan und Thorsten schippern mich durchs Unterholz, ich fühle mich unter meinem Sonnenhut nach Prinzessin. Jonathan ist vor sieben Tagen Vater geworden und hat nun, mit dem dritten Kind, endlich den ersehnten Stammhalter. Was mir gefällt: auf meine Frage, ob er Familie habe, spricht er zuerst von seiner Frau als Gefährtin. Der Dschungel ist üppiger, leiser Märchenwald, einzig das Geräusch der Paddel kann man im Wasser plätschern hören. Zu sehen gibt es Faultiere, Tucane, Iguanas.

Der Mann ist übrigens wieder legal, die Dame in Santa Rosa war eine Unbürokratische. So waren wir nochmal in Peru auf einen Kaffee, auch schön. Story verpasst? Scroll zum vorherigen Artikel 😉

3 Gedanken zu „Puerto Nariño“

  1. das ist ein so wunderschöner Bericht und das Foto „Äffchen auf Ankes Sonnenhut“ ist zum schmunzeln.
    Noch viele schöne Erlebnisse!!

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