Chiloé

Die zweitgrößte Insel des Landes. Und die Größte gehört zur Hälfte zu Argentinien und zählt deshalb eigentlich gar nicht.

Insel der sechzehn Weltkulturerbe-Kirchen. Castro ist die Hauptstadt, die Gemütliche, mit 40.000 Menschen, und die Iglesia de San Francisco am Plaza der Armas ist seit dem Jahr 2000 als Weltkulturerbe gelistet. Sie ist schön, vor allem von innen, und sie lebt. Es wird gebetet, geruht, und Kinder spielen in den Gängen. Eine Ermahnung wird nur erteilt, wenn das Kind den Priestersitz im Beichtstuhl erklimmt.

Jede chilenische Stadt, und sei sie noch so klein, hat in ihrem Herzen einen Plaza de Armas. Hier laden verschwenderisch viele und reich verzierte Holzbänke ein, zu bleiben und die Straßenkünstler zu bewundern. Von der Panflötenband bis zur magischen Artistenshow für Kinder ist alles dabei. Hier in Castro schleckert man dabei frisches Popcorn oder Paradiesäpfel. Ich habe nirgendwo bisher so viele Ampel- und Straßenkünstler gesehen, und die Chilenen geben gern für diese Kurzweil.

Auch im verschlafenen Örtchen Chonchi gibt es eine Holzkirche, und auch sie ist Teil des Weltkulturerbes. Sie ist für mich die Schönste auf der Welt, denn die Kuppel ist ein Sternenhimmel. Das hellblau-grau gebeizte, bemalte Holz macht das Gotteshaus zu einem Wohlfühlort.

Die Palafitos, die Stelzenhäuser, sind 1960 zu großen Teilen dem Erdbeben und anschließendem Tsunami zum Opfer gefallen. Sie gehörten den Fischern, die direkt von ihrer Haustür aus aufs Wasser konnten. Diese Häuserzeile steht im Stadtteil Gamboa, und das kleine Gelbe würde ich nehmen 😉

La Muelle de las Almas, der Steg der Seelen, eine künstlerische Hommage an die indigene Mythologie der Mapuche. Aus einheimischen Hölzern, mit denen die Chilenen auch ihre Boote bauen. Vor allem ist es gut besucht, und die Schlange für ein Foto am Ende des Steges, wo man die Klagen der verlorenen Seelen hören kann, ist lang.

Die Geschichte ist die abgewandelte Version einer Legende, in der vier Wale, die Trempulcahue, die Seelen der Verstorbenen über den Ozean bringen. Die individuelle Seele Am ist ein Splitter der universellen Seele Pu-Am und wird sich nach dem Tode wieder mit ihr vereinigen. Hier im Fischerdorf Cucao bringt ein mürrischer Fähren-Kapitän die Seele heim und verlangt Wegzoll. Deshalb legten die Mapuche kleine Türkise zu ihren Toten.

Natürlich schafft es nicht jede Seele nach Hause, denn manchmal weigert sich der Fährmann, und die Seele verbleibt zwischen den Klippen, ohne Aussicht auf Errettung. Ihre Klagelieder sind an der Muelle de Almas zu vernehmen.

Und tatsächlich hört man mitunter mysteriöse Geräusche hier an der Punta Pirulil. Es sind die Seelöwen, die unterhalb der Klippen rasten…

Chiloé bekommt noch einen Artikel, denn wir erlebten hier noch mehr. Also bis bald.

Veröffentlicht von

Anke Rettkowski

Around the world in a year

2 Gedanken zu „Chiloé“

  1. ich bin begeistert von dem Bericht. Das ist der Teil der Welt, den ich nicht gesehen habe und den ich wohl auch nicht kennen lernen werde, – schade.

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