Auf nach Gorontalo

In Indonesien dauert jede Reise länger als vermutet. Also als ein durchgetakteter, vermeintlich effizienter Mitteleuropäer das vermutet.

Das liegt an schlechten oder extrem kurvenreichen Straßen, antiquierten Verkehrsmitteln, dem Wetter über dem Meer, aber auch am Indonesier. Der hat eine andere Vorstellung von der Zeit. Es ist immer genügend davon übrig, um nette Worte zu wechseln und ein Lächeln auszutauschen. Bei aller Arbeit ist die Zeit der Muße eine besondere Zeit, und Zeit, den Sonnenuntergang zu bestaunen, bleibt immer.

Wir müssen mit der Fähre von Wakai auf den Togians nach Gorontalo und von dort weitere neun Stunden mit dem shared taxi nach Manado von dort bringt uns der Flieger über Makassar nach Kuala Lumpur.

Es ist nicht heraus zu finden, ob und wann die Fähre um den Jahreswechsel herum fährt:

Unsere House Mama: Am 29. fährt die Fähre nur nach Ampana zurück, dort bleibt sie bis zum neuen Jahr im Hafen. Und wann sie dann wieder startet, das weiß man nicht. Das ist doof für uns, dann wird das nichts mit unseren Flügen.

Die Managerin zwei Ressorts weiter: Man weiß es nicht, eigentlich fährt sie ja nur Montag und Donnerstag, und Samstags nur dann und wann. Vielleicht.

Der Ticketverkäufer: Der Kapitän kommt aus Gorontalo, und da will er bestimmt Silvester hin, die Fähre verkehrt bestimmt, aber das Wetter. Vielleicht?

Wir entscheiden uns, mit nach Ampana zurück zu fahren. Wenn das Schiff dort bleibt, können wir in zwei Tagen nach Makassar den gleichen Weg zurück, den wir kamen oder versuchen, von Luwuk aus zu fliegen. Dreht das Schiff wieder um nach Wakai und Gorontalo, bleiben wir einfach drauf sitzen. In Ampana angekommen, wollen wir ein Ticket kaufen. Die Fähre ist für heute gecancelt, aber morgen früh um 8.00. Also, vielleicht…

(So kommen wir in den Genuss, mit den ebenfalls Gestrandeten Kamala, René, Jutta und Michael einen lustigen letzten Abend bei frischem Fisch und Bier zu verbringen. Gruß an Euch!)

Am nächsten Morgen, man glaubt es kaum, legt das Schiff ab. OK, um 10.00 statt um 8.00, aber wir kommen tatsächlich nach knapp 20 Stunden in Gorontalo an. Es ist Silvester Morgen um 4.00.

Veröffentlicht von

Anke Rettkowski

Around the world in a year

2 Gedanken zu „Auf nach Gorontalo“

  1. Liebe Anke,
    der Indonesier macht es mit Sicherheit richtig!! Andere Länder, andere Sitten. Ich las kürzlich in einem Bericht, dass eine Frau aus Syrien hier mit dem Bus fahren wollte. Sie hat sich einfach an die Haltestelle gestellt, irgendwo auf dem Land. Der Bus kam nach 2 Std. pünktlich, die Frau hat zwei Std. in der Kälte ausgeharrt, weil sie nicht wusste, dass es Fahrpläne gibt. Mein eigenes Tempo ist auch langsam, aber erst jetzt, wo ich nicht mehr arbeiten muss, merke ich, was das für ein Wahnsinn ist mit ständigen Terminen und Audgabenlisten. Deswegen: GENIESSEN!!!! Und jetzt umso mehr , wo ja schon Halbzeit ist. Das normale Leben wird dir erstmal wie ein Zirkus vorkommen. Schön, dass ich jetzt auch die Berichte deines Liebsten lesen kann. Alles Gute weiterhin.

    1. Hallo Susanne, das machen wir, das mit dem genießen. Und Tempo raus nehmen.und ich hoffe sehr, das ein Jahr lang genug ist, um anschließend eine kleine Weile der Direktor des kleinen individuellen Zirkus‘ zu bleiben . Lieben Gruß nach Dortmund!

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